vdää* zum Streit um die Ter­min­mel­de­pflich­ten in Kas­sen­pra­xen

15.10.2026 – „Mei­ne Ter­mi­ne gehö­ren mir“, sag­te der Vor­stands­vor­sit­zen­der des Spi­fa, Dirk Hein­rich (1) in einer Mit­tei­lung anläss­lich einer Ände­rung bei der Rege­lung der Ter­min­mel­de­pflich­ten: Ver­trags­ärz­te sol­len ab 2027 mehr Ter­mi­ne in ihren Pra­xen an die Ter­min­ser­vice­stel­len mel­den als bis­her, das soll die „Ver­bind­lich­keit der bis­he­ri­gen Ter­min­mel­de­pflich­ten“ erhö­hen. So steht es in einem Ände­rungs­an­trag der Regie­rungs­ko­ali­ti­on zum Gesetz für eine Not­fall­re­form. Uni­on und SPD wol­len künf­tig regeln, dass die Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen den Umfang der zu mel­den­den Ter­mi­ne unter Ein­be­zie­hung der Lan­des­ver­bän­de der Kran­ken­kas­sen und der Ersatz­kas­sen vor­ge­ben, anstatt dass Ver­trags­ärz­te – wie bis­her – ledig­lich „freie“ Ter­mi­ne zu mel­den haben.

Erwar­tungs­ge­mäß sorgt das für Empö­rung in der Klein­un­ter­neh­mer­schaft der Ärzt*innen: von der KV, über die Bun­des­ärz­te­kam­mer, den Hart­mann Bund, den Virch­ow Bund bis hin zu ver­schie­de­nen Fach­ge­sell­schaft sind sie alle dage­gen: der KBV-Vor­sit­zen­de Andre­as Gas­sen (2) genau­so wie der Bun­des­vor­sit­zen­de des Virch­ow­bun­des Dr. Dirk Hein­rich (3) beschwö­ren gleich wie­der eine her­auf­zie­hen­de „Plan­wirt­schaft“ und Wolf­gang Schnö­rer, Vor­stands­vor­sit­zen­der der MEDIVERBUND AG beschwört gar die eine Über­schrei­tung der „Gren­ze zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit“ (3).

Der Spi­fa Vor­sit­zen­de hat es aller­dings auf den Begriff gebracht: Nicht dass die Kassenärzt*innen den Gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen bzw. den Ver­si­cher­ten ver­pflich­tet sind, steht für die orga­ni­sier­te Ärz­te­schaft im Vor­der­grund, son­dern ihr Eigen­tü­mer­sta­tus. Sowohl Gas­sen (2) als auch Hein­rich (1) behaup­ten, Pra­xen wür­den nur „nach dem indi­vi­du­el­len medi­zi­ni­schen Bedarf“ Ter­mi­ne ver­ge­ben. Wir alle wis­sen, dass die­se Behaup­tung der Rea­li­tät nicht stand­hal­ten, denn Ter­min­ver­ga­ben und ent­spre­chen­de War­te­zei­ten wer­den lei­der maß­geb­lich von den zu erwar­ten­den Ein­nah­men beein­flusst: Wirt­schaft­lich ist es, Leu­te mit einer sta­bi­len chro­ni­schen Erkran­kung quar­tals­wei­se ein­zu­be­stel­len, wäh­rend man für Patient*innen mit einem rea­len Ver­sor­gungs­be­darf kei­ne Ter­mi­ne bekommt. Noch ein­deu­ti­ger zeigt es sich beim Ver­si­cher­ten­sta­tus: Pri­vat ver­si­cher­te Patient*innen sind lukra­ti­ver.

So ein­fach ist das in einer Welt, wo medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung – trotz soli­da­ri­schen Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­tems – wie Pri­vat­ei­gen­tum ver­stan­den wird. Ent­spre­chend scharf ist der Ton, wenn die­ses auch nur in Ansät­zen ange­grif­fen zu wer­den scheint.

Der vdää* kri­ti­siert schon seit vie­len Jah­ren, dass es ein gro­ßer Feh­ler war und ist, der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung, der Ver­tre­tung der betriebs­wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Kleinunternehmerärzt*innen, den Ver­sor­gungs­auf­trag für eine gan­ze Gesell­schaft zu über­las­sen. Pri­vat­ei­gen­tum an einer Pra­xis schafft sol­ches Bewusst­sein und steht im Wider­spruch zu einer gesell­schaft­li­chen Auf­ga­be. Es ist an der Zeit ein Pri­mär­ver­sor­gungs­sys­tem ohne Unter­neh­mer­tum und in öffent­li­cher Hand ein­zu­rich­ten, bei dem die Ter­min­ver­ga­be ohne finan­zi­el­le Fremd­in­ter­es­sen gesteu­ert wer­den kann.

Dr. Nad­ja Rako­witz, Pres­se­spre­che­rin des vdää*

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