Für Men­schen­rech­te und eine gute Gesund­heits­ver­sor­gung für Alle

01.09.2026 – Die­sen Herbst ste­hen eini­ge wich­ti­ge Land­tags­wah­len an und auch aus medi­zi­ni­scher Sicht beob­ach­ten wir die pro­gnos­ti­zier­ten Wahl­er­geb­nis­se – beson­ders in Sach­sen-Anhalt – mit Sor­ge. Denn die rechts­extre­me AfD scheint ihre bis­her bes­ten Wahl­er­geb­nis­se ein­zu­fah­ren und könn­te sogar eine Lan­des­re­gie­rung stel­len. Rech­te Posi­tio­nen, wie man sie am deut­lichs­ten bei der AfD, aber in zuneh­men­dem Maße auch bei den Regie­rungs­par­tei­en fin­det, sind mit einer guten Gesund­heits­ver­sor­gung für alle Men­schen – unab­hän­gig von Her­kunft, Haut­far­be, Ein­kom­men, Geschlecht, Gen­der, Reli­gi­on, Spra­che, poli­ti­scher Ein­stel­lung, Sexua­li­tät oder Bil­dung – nicht ver­ein­bar.

Der Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer Sach­sen-Anhalt, Uwe Ebmey­er, schrieb im Ärz­te­blatt Sach­sen-Anhalt: “Als Kam­mer agie­ren wir poli­tisch neu­tral, wer­den aber poten­zi­el­le Kon­se­quen­zen abweh­ren und Poli­tik im Sin­ne unse­rer Mit­glie­der aktiv gestal­ten.“ Ob das ein kon­struk­ti­ves Mit­ar­bei­ten inner­halb einer rechts­extrem domi­nier­ten poli­ti­schen Land­schaft bzw. eine Zusam­men­ar­beit mit der AfD zum Schut­ze der wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Ärzt*innenschaft ein­schließt oder eine sol­che Zusam­men­ar­beit – ins­be­son­de­re auch zum Schut­ze der von Dis­kri­mi­nie­rung betrof­fe­nen Ärzt*innen und Patient*innen – ablehnt, bleibt lei­der offen. Ins­be­son­de­re der Auf­tritt von Andre­as Gas­sen, dem Vor­stands­vor­sit­zen­den der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung, vor Kur­zem beim rechts­pro­pa­gan­dis­ti­schen Nach­rich­ten­por­tal NIUS, nährt jeden­falls die Sor­ge, dass ein rele­van­ter Teil der ärzt­li­chen Kolleg*innen, beson­ders in den eta­blier­ten Gre­mi­en der Ärzt*innenschaft Distanz zur orga­ni­sier­ten Rech­ten und rechts­extre­men Posi­tio­nen ver­lie­ren.

Die Ärz­te­kam­mern sind for­mell zu poli­ti­scher Neu­tra­li­tät ver­pflich­tet, der ärzt­li­che Beruf ist aber nie­mals poli­tisch neu­tral. Wir demo­kra­ti­schen Ärzt*innen betrach­ten es als unse­re beruf­li­che Pflicht, Grup­pie­run­gen, die Men­schen­hass und Dis­kri­mi­nie­rung för­dern, offen ent­ge­gen­zu­tre­ten. Dul­dung rechts­extre­mer Posi­tio­nen oder gar eine Zusam­men­ar­beit mit rechts­extre­men Orga­ni­sa­tio­nen wie der AfD und ent­spre­chen­den Medi­en sind aus unse­rer Sicht mit dem ärzt­li­chen Beruf unver­ein­bar.

Wir rufen alle im Gesund­heits­we­sen Beschäf­tig­ten und alle Gre­mi­en der Ärzt*innenschaft auf, sich uns in die­ser Klar­heit anzu­schlie­ßen. Für das Wohl unse­rer Patient*innen und auch unse­rer nicht in Deutsch­land gebo­re­nen Kolleg*innen, aller Kolleg*innen, deren Zuge­hö­rig­keit zu die­ser Gesell­schaft, deren sozia­le, poli­ti­sche und öko­no­mi­sche Rech­te, in Fra­ge gestellt wer­den.

Beschäf­tig­te in Gesund­heits­be­ru­fen über­neh­men jeden Tag beson­de­re Ver­ant­wor­tung für ihre Mit­men­schen und die Geschich­te der deut­schen Ärzt*innenschaft ent­hält eine beson­de­re Ver­pflich­tung, sich als Ärzt*innen für Men­schen­rech­te und Soli­da­ri­tät ein­zu­set­zen. Die akti­ve Mit­ar­beit der Ärzt*innenschaft in der natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Dik­ta­tur mahnt uns zu deut­li­cher Posi­tio­nie­rung und Hand­lungs­be­reit­schaft. Nie wie­der ist jetzt!

Dr. Nad­ja Rako­witz, Pres­se­spre­che­rin des vdää*

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