vdää* zur Kri­tik von Ärzt*innen an Gesund­heits­leis­tun­gen im Dro­ge­rie­markt

02.09.2026 – Nach­dem die Dro­ge­rie­markt­ket­te dm schon Ange­bo­te zur Früh­erken­nung von Haut- und Augen­er­kran­kun­gen sowie Blut­wer­te anbie­tet (bis zu 71 Para­me­ter, u.a. Hor­mo­ne, Mine­ral­stof­fe, Vit­ami­ne und Herz-Kreis­lauf­pa­ra­me­ter), kam nun die Ankün­di­gung, auch Mes­sun­gen von Herz-Kreis­lauf-Para­me­tern in den Märk­ten anzu­bie­ten. Der Start soll im Jahr 2027 erfol­gen.

Prompt reagiert der Berufs­ver­band der nie­der­ge­las­se­nen Kar­dio­lo­gen (DGK) und warnt vor der Ein­füh­rung: „Es dür­fe nicht unstruk­tu­riert und ohne Fach­wis­sen ver­sucht wer­den, Prä­ven­ti­on zu betrei­ben“, sag­te der Bun­des­vor­sit­zen­de Dr. Nor­bert Sme­tak. „Das soll­te man bes­ser in die Pra­xen holen.“ (DÄB online 21.08.2026). Auch der 130. DÄT 2026 hat sich in einem Beschluss zu dem The­ma posi­tio­niert: „Dies alles könn­ten medi­zi­ni­sche Dia­gnos­tik­an­ge­bo­te in Gewer­be­be­trie­ben nicht leis­ten. Im Gegen­teil: Es dro­he die Gefahr einer Kom­mer­zia­li­sie­rung medi­zi­ni­scher Dia­gnos­tik ohne hin­rei­chen­de Indi­ka­ti­ons­stel­lung“.

„Das sagen nun gera­de die Rich­ti­gen“, meint Micha­el Jan­ßen vom Vor­stand des vdää*. „Seit den 1990er Jah­ren wer­den Indi­vi­du­el­le Gesund­heits­leis­tun­gen (IGeL) von den Pra­xen als ver­meint­lich nütz­li­che Leis­tun­gen bewor­ben und den Patient*innen nicht sel­ten im War­te­zim­mer als ‚Menü­kar­te‘ ange­bo­ten oder auf­ge­drängt – eben auch unstruk­tu­riert und nicht im fach­li­chen Zusam­men­hang, son­dern ein­fach um zusätz­lich Geld zu ver­die­nen.“

Dabei han­delt es sich bei den aller­meis­ten IGeL um Leis­tun­gen, die nach den Regeln der wis­sen­schaft­li­chen Medi­zin als min­des­tens zwei­fel­haft, nicht sel­ten auch als schäd­lich gel­ten (1). Das ist auch der Grund, dass sie nicht in den Leis­tungs­ka­ta­log der GKV auf­ge­nom­men wer­den. Gleich­wohl hat die ver­fass­te deut­sche Ärz­te­schaft im Rah­men von Bud­ge­tie­run­gen immer wie­der zum IGeLn ani­miert und etli­che Rat­ge­ber (2) her­aus­ge­ge­ben. Ärzt*innen ver­kau­fen aus kom­mer­zi­el­lem Inter­es­se medi­zi­nisch nicht not­wen­di­ge Leis­tun­gen ohne hin­rei­chen­de Indi­ka­ti­ons­stel­lung. Genau so ist es bei dm und wird von der Ärzt*innenschaft kri­ti­siert, weil es die Kon­kur­renz anbie­tet.

„IgeL gehö­ren ver­bo­ten – egal wer sie anbie­tet“, so Micha­el Jan­ßen. „Die Äuße­run­gen des DKG und des DÄT sind bigott. Unter den anste­hen­den Hono­rar­kür­zun­gen in den Pra­xen durch das Bei­trags­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz ist zudem zu erwar­ten, dass IGeL-Ange­bo­te eher zuneh­men als zurück­ge­nom­men wer­den.“

Wenn man die Medi­zin so kom­mer­zia­li­siert, wie das die nie­der­ge­las­se­nen Ärzt*innen und ihre Stan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen zusam­men mit den jewei­li­gen Regie­run­gen in den letz­ten Jahr­zehn­ten gemacht haben, darf man sich nicht wun­dern, wenn die ande­ren kom­mer­zi­el­len Akteu­re hier auch wil­dern wol­len. Abhil­fe schafft hier nicht ver­lo­ge­ne Kri­tik, die angeb­lich um die Patient*innen besorgt ist, son­dern ein­zig die Ent­kom­mer­zia­li­sie­rung der ambu­lan­ten Medi­zin, wie sie in einem non­pro­fit Pri­mär­ver­sor­gungs­sys­tem mit ange­stell­ten Beschäf­tig­ten gewähr­leis­tet wer­den könn­te und eine bedarfs­ge­rech­te Ver­sor­gung ermög­li­chen wür­de.

Dr. Nad­ja Rako­witz, Pres­se­spre­che­rin des vdää*

  1. https://igel-monitor.de/
  2. https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/_old-files/downloads/pdf-Ordner/Patienteninformationen/Igelcheck2Aufl201506.pdf
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