Struk­tur­än­de­run­gen sind nötig, Steue­rung mit Geld ist dys­funk­tio­nal

Struk­tur­än­de­run­gen sind nötig, Steue­rung mit Geld ist dys­funk­tio­nal

Demo­kra­ti­sche Ärzt*innen zu den Ein­spa­run­gen bei den Nie­der­ge­las­se­nen

03.08.2026 – Nach­dem Gesund­heits­mi­nis­te­rin War­ken mit dem GKV-Bei­trags­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz (GKV-BSt­abG) dem Gesund­heits­we­sen bru­ta­le Ein­spa­run­gen und Ver­teue­run­gen für die gesetz­lich Ver­si­cher­ten ver­ord­net hat, wer­den jetzt Struk­tur­re­for­men ange­kün­digt, die dann wohl der neue Gesund­heits­mi­nis­ter Cars­ten Lin­ne­mann durch­set­zen soll. Was kön­nen wir von einem neo­li­be­ra­len Öko­no­men erwar­ten? Sicher­lich nichts Gutes.

Gleich­wohl hal­ten wir Struk­tur­re­for­men beson­ders im ambu­lan­ten Sek­tor für unbe­dingt not­wen­dig, denn sowohl die Maß­nah­men im GKV-BSt­abG als auch die in den vor­he­ri­gen Refor­men zei­gen, wie wenig man im ambu­lan­ten Sek­tor mit finan­zi­el­len Anrei­zen erreicht: Das Ter­min­ser­vice- und Ver­sor­gungs­ge­setz (TSVG), das 2019 ein­ge­führt wur­de, hat­te bei­spiels­wei­se zeit­na­he Ter­mi­ne errei­chen wol­len, indem die­se bes­ser ver­gü­tet wur­den. In einem Sys­tem von Kleinunternehmer-Ärzt*innen war völ­lig klar, was pas­siert: Die Rege­lung wur­de flä­chen­de­ckend der­ma­ßen miss­braucht, dass sie mit dem GKV-BSt­abG unse­res Erach­tens völ­lig zu Recht wie­der abge­schafft wird. Das hat jetzt wie­der­um zur Fol­ge, dass die Ärzt*innen dro­hen, wegen des dadurch ent­ste­hen­den Ein­kom­mens­ver­lus­tes ihre Leis­tun­gen für die GKV redu­zie­ren wol­len. Scha­den neh­men letzt­lich immer die gesetz­lich ver­si­cher­ten Patient*innen.

Die Steue­rung über finan­zi­el­le Anrei­ze wird immer nur der Geld­lo­gik fol­gen und nicht den Bedar­fen der Patient*innen. Weder ist eine abs­trak­te Kür­zung der Aus­ga­ben für die ver­trags­ärzt­li­che Ver­sor­gung 2027 von ins­ge­samt 2,7 Mil­li­ar­den Euro* sach­ge­recht, noch die immer wie­der von den Nie­der­ge­las­se­nen gefor­der­te Auf­he­bung der Bud­get­de­cke­lung.

Rich­tig wäre eine Finan­zie­rung der ambu­lan­ten Ver­sor­gung, die alle not­wen­di­gen Bedar­fe decken wür­de. Die Vor­aus­set­zung dafür wäre aber eine völ­li­ge Umstruk­tu­rie­rung: Es bräuch­te ein gut geplan­tes flä­chen­de­cken­des Pri­mär­ver­sor­gungs­sys­tem mit mul­ti­pro­fes­sio­nel­ler Zusam­men­ar­beit in Ange­stell­ten­ver­hält­nis­sen – und damit die Abschaf­fung der Klein­un­ter­neh­mer­struk­tu­ren und ein Pro­fit­ver­bot. Dann hät­ten auch gro­ße Finanz­in­ves­to­ren wie Pri­va­te Equi­ty Fonds kein Inter­es­se mehr an die­sem Sek­tor.

Dr. Nad­ja Rako­witz, Pres­se­spre­che­rin

*DÄB 16.04.2026, https://www.aerzteblatt.de/news/spargesetz-arzte-krankenhauser-versicherte-sollen-zahlen-pharma-wird-geschont-8d0744ca-e74b-4193-a23e-41b3275bd0e3

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