Edi­to­ri­al

Que­e­re Poli­tik ist schon seit Jahr­zehn­ten im Fokus lin­ker Par­tei­en und Grup­pie­run­gen. Zugleich ist es eben solang schon ein Zank­ap­fel inner­halb des­sel­ben lin­ken Lagers, was an quee­rer Poli­tik links ist und was fort­schritt­lich-bür­ger­li­che Per­spek­ti­ve.

Unge­ach­tet die­ser inne­ren Que­re­len ver­schärft sich die Lage quee­rer Men­schen sowohl welt­weit als auch hier­zu­lan­de. Abseits der media­len Auf­merk­sam­keit berich­tet die dies­jäh­ri­ge deut­sche Poli­zei­sta­tis­tik eine Zunah­me que­er­feind­li­cher Straf­ta­ten um ca. 13 %. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten berich­tet das FBI von einer stei­gen­den Zahl von anti-LGBTQ+ Straf­ta­ten trotz einer ins­ge­samt sin­ken­den Kri­mi­na­li­täts­ra­te. Die töd­li­che Gewalt gegen que­e­re Men­schen in Argen­ti­ni­en ist zuletzt sprung­haft gestie­gen – sicher­lich lie­ße sich die­se Lis­te noch fort­füh­ren. Beglei­tet wird die­se Gewalt von einer recht­li­chen Ver­schär­fung – im Hin­blick auf die Rech­te quee­rer Men­schen –, nicht auf die Gewalt gegen die­se. Trump begann bereits in den ers­ten Tagen sei­ner zwei­ten Amts­zeit damit, die Rech­te quee­rer Men­schen ein­zu­schrän­ken. Per Dekret leg­te Trump die mög­li­chen Geschlech­ter bei Geburt auf zwei fest, ermög­lich­te die straf­recht­li­che Ver­fol­gung von Lehrer*innen, die ihre Schüler*innen offen als non-binär behan­deln, ver­bann­te trans­gen­der Sportler*innen aus Wett­kämp­fen etc. Schaut man nach Ita­li­en, Argen­ti­ni­en, Russ­land, dann scheint es, als wäre die anti-que­e­re Gesetz­ge­bung ein fes­ter Bestand­teil des Staats­um­baus der neu­en Rech­ten. Wir haben dies zum Anlass genom­men den aktu­el­len Stand der Ver­sor­gung quee­rer Men­schen in der deut­schen Gesund­heits­ver­sor­gung unter die Lupe zu neh­men

Das aktu­el­le Heft ist dabei reich an Berich­ten aus der medi­zi­ni­schen Pra­xis. Ash Pel­zer und Isa Ruh­land berich­ten dar­über, wie die que­er­sen­si­ble Geburts­hil­fe den viel­fäl­ti­gen Hin­ter­grün­den und Kon­stel­la­tio­nen wer­den­der Fami­li­en gerecht wird. Wie que­e­re Men­schen ange­sichts dis­kri­mi­nie­ren­der Prak­ti­ken in der Regel­ver­sor­gung und Lie­fer­eng­päs­sen mit­tels do-it-yours­elf Hor­mon­the­ra­pie ihre Behand­lung selbst in die Hand neh­men, beforscht ein par­ti­zi­pa­ti­ves For­schungs­team und teilt in die­sem Heft ers­te Ergeb­nis­se. K*stern klärt über die wich­ti­ge inter­dis­zi­pli­nä­re post­ope­ra­ti­ve Ver­sor­gung nach Tran­si­ti­ons­ope­ra­ti­on auf. Ari erzählt aus einem ›Leben im Grau­be­reich der Geschlech­ter­nor­men‹ als inter­ge­schlecht­li­cher Mensch in Deutsch­land. Außer­dem berich­tet que­er­med, ein Ver­ein der sich gegen die Dis­kri­mi­nie­rung im Gesund­heits­we­sen stellt, aus der prak­ti­schen Arbeit, allen Men­schen unab­hän­gig von ihrer sexu­el­len Iden­ti­tät und Gesin­nung eine dis­kri­mi­nie­rungs­freie medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung bereit­zu­stel­len. Einen theo­retischen Hin­ter­grund lin­ker quee­rer Poli­tik lie­fert Atlan­ta Bey­er in einem Inter­view und führt durch die aktu­el­len quee­ren und anti-quee­ren Debat­ten.

Abseits von die­sem Titel­the­ma berich­ten wir aktu­el­les zur inter­na­tio­na­len Gesund­heits­po­li­tik. Im Janu­ar fand der größ­te New Yor­ker Pfle­ge­streit bis dato statt. Dar­über berich­tet die US-ame­ri­ka­ni­sche Kran­ken­pfle­ge­rin Shel­la Dom­in­guez. Wie eine Gesund­heits­ver­sor­gung in einem Land funk­tio­niert das seit Jahr­zehn­ten unter wirt­schaft­li­cher Blo­cka­de des gro­ßen Nach­barn USA steht, erklärt Alei­da Gue­va­ra, eine Päd­ia­te­rin aus Kuba, die ein Redak­ti­ons­mit­glied exklu­siv inter­viewt hat.

Wie immer gibt es auch Emp­feh­lun­gen und Rezen­sio­nen die eine wei­te­re Beschäf­ti­gung mit dem The­ma que­er­sen­si­ble Medi­zin erleich­tern. Ange­sichts der geschil­der­ten Kämp­fe mag es über­ra­schen, dass die sys­te­ma­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung quee­rer Men­schen eher als ein neu­zeit­li­ches Phä­no­men erscheint. Der Kampf gegen medi­zi­ni­sche Dis­kri­mi­nie­rung quee­rer Men­schen ist wich­tig und erfolg­ver­spre­chend und beginnt in der all­täg­li­chen medi­zi­ni­schen Pra­xis.

Inhalt

Bei­trä­ge aus dem Heft

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