Demo­kra­ti­sche Ärzt*innen für bedarfs­ori­en­tier­te Aus­ga­ben­po­li­tik

Demo­kra­ti­sche Ärzt*innen für bedarfs­ori­en­tier­te Aus­ga­ben­po­li­tik

Pres­se­mit­tei­lung des vdää* zum GKV-Bei­trags­satz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz

20.07.2026 – Das Bei­trags­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz ist ein wei­te­rer Teil der Austeri­täts­po­li­tik der Regie­rung, die Sozi­al­aus­ga­ben zu redu­zie­ren und den Sozi­al­staat zu desta­bi­li­sie­ren. Es wird flan­kiert von der Erzäh­lung der „Kos­ten­ex­plo­si­on“ im Gesund­heits­we­sen bzw. des Sozi­al­staats und von den angeb­lich zu hohen Belas­tun­gen der Arbeit­ge­ber bei den Lohn­ne­ben­kos­ten. Ein Bedro­hungs­sze­na­rio, das vie­le von uns seit Jahr­zehn­ten ken­nen und das bei jeder Kri­se wie­der aus­ge­gra­ben – aber des­halb nicht rich­ti­ger wird.

Die Regie­rung will die Aus­ga­ben der Gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen rigo­ros an die Grund­lohn­sum­me anpas­sen, d.h. sie sol­len nur so viel wach­sen wie die Sum­me aller bei­trags­pflich­ti­gen Löh­ne und Gehäl­ter in der GKV. Dies ist ein rein finanz­po­li­ti­scher Ansatz. Die Ent­wick­lung der Grund­lohn­sum­me ist von viel­fäl­ti­gen sozia­len und poli­ti­schen Fak­to­ren abhän­gig, oft ist sie sogar nied­ri­ger als die Infla­ti­on. Sie hat kei­nen sach­li­chen Zusam­men­hang mit den not­wen­di­gen Aus­ga­ben der GKV.

Der Anteil der Aus­ga­ben der GKV am Brut­to­in­lands­pro­dukt ist zwi­schen 2015–2024 von 7,0 auf 7,6 % gestie­gen. Die Mög­lich­keit, ande­re Ein­nah­men durch eine Aus­wei­tung der Bei­trags­ba­sis und höhe­re Zuschüs­se aus Steu­er­ein­nah­men zu bekom­men, wer­den bei der nun ver­ab­schie­de­ten Reform kaum berück­sich­tigt. „Eine ein­nah­men­ori­en­tier­te Aus­ga­ben­po­li­tik ist in der Daseins­vor­sor­ge voll­kom­men sach­fremd und zer­stö­re­risch“, so Dr. Nad­ja Rako­witz, Geschäfts­füh­re­rin des vdää*. „Für Auf­rüs­tung und Mili­ta­ri­sie­rung ist Geld ohne Ende da, aber an der vul­nerabels­ten Stel­le der Gesell­schaft soll gespart wer­den. Das ist skan­da­lös“, so Rako­witz wei­ter.

Die Aus­ga­ben in der Daseins­vor­sor­ge müs­sen sich am Bedarf aus­rich­ten. Die Ein­nah­men müs­sen dann die­sen Aus­ga­ben ange­passt wer­den. Im Kran­ken­haus war das bis 1984 so, als das Selbst­kos­ten­de­ckungs­prin­zip gegol­ten hat. Für die Pfle­ge am Bett gilt das seit der Ein­füh­rung des so genann­ten Pfle­ge­bud­gets 2020. Und das hat dazu geführt, dass mehr Pfle­ge­kräf­te ein­ge­stellt wur­den und sich sowohl die Patient*innenversorgung als auch die Arbeits­be­din­gun­gen ver­bes­sert haben. Es ist ein Angriff auf die Beschäf­tig­ten und die Patient*innen, dass das nun im Zuge der Reform wie­der abge­schafft wer­den soll, um Kos­ten zu spa­ren!” empört sich Dr. Chris­tia­ne Bache­lier, Co-Vor­sit­zen­de des vdää*.

„Wir leh­nen eine ein­nah­me­ori­en­tier­te Aus­ga­be­po­li­tik ab und for­dern eine bedarfs­ge­rech­te Ver­sor­gung und eine ech­te und lang­an­hal­ten­de Sta­bi­li­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, die mög­lich ist, ohne die Ein­kom­mens­schwa­chen, die Armen und die Kran­ken mehr zu belas­ten“, so Dr. Chris­tia­ne Bache­lier wei­ter. „Das Mär­chen von der Kos­ten­ex­plo­si­on im Gesund­heits­we­sen oder bei den Bei­trä­gen der GKV wird uns seit über 50 Jah­ren von inter­es­sier­ter Sei­te immer und immer wie­der erzählt. Es scheint ober­fläch­lich plau­si­bel, aber kon­kret und genau betrach­tet, ist es jedes Mal falsch gewe­sen. Las­sen wir uns nicht dumm machen, wir leben immer noch in einer der reichs­ten Gesell­schaf­ten der Welt!“ so Nad­ja Rako­witz.

Lösen könn­te die Finan­zie­rungs­pro­ble­me eine soli­da­ri­sche Bür­ger­ver­si­che­rung und damit die Ein­be­zie­hung aller Ein­kom­mens­ar­ten (auch Kapi­tal- und Miet­ein­künf­te) und aller Bevöl­ke­rungs­grup­pen ein­schließ­lich Beam­ter und Pri­vat­ver­si­cher­ter in ein ein­heit­li­ches Umla­ge­sys­tem, ver­bun­den mit einer star­ken Anhe­bung bzw. bes­ser einer Abschaf­fung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze (und mit die­ser auch die Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze). Anstatt auf der Struk­tur­eb­ne Kür­zun­gen bei Patient*innen vor­zu­neh­men, soll­ten bes­ser die Ver­schwen­dung von Gel­dern abge­schafft wer­den, die durch Pri­va­ti­sie­rung und Öko­no­mi­sie­rung ent­stan­den sind.

Dr. Nad­ja Rako­witz, Pres­se­spre­che­rin

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