Krieg, Sozi­al­ab­bau und Rechts­ent­wick­lung

von Ingar Sol­ty

Die Grund­la­ge die­ses Tex­tes ist ein Vor­trag von Ingar Sol­ty bei der Kon­fe­renz „Gegen Krieg, Sozi­al­ab­bau und Rechts­ent­wick­lung“, die die „orga­ni­sier­te Auto­no­mie“ am 6. Dezem­ber 2025 in Nürn­berg ver­an­stal­tet hat. Wir haben die Abschrift des Vor­trags stark gekürzt. Die Lang­fas­sung ist beim Autor erhält­lich, dem wir an die­ser Stel­le dan­ken wol­len.

2021 erach­te­ten bei der Bun­des­tags­wahl nur ein Pro­zent der Bevöl­ke­rung die Außen­po­li­tik­fra­ge als für sich wahl­ent­schei­dend. Das hat sich dra­ma­tisch geän­dert. Bis dahin schien sich Außen­po­li­tik nicht auf unser Pri­vat­le­ben aus­zu­wir­ken. Mitt­ler­wei­le sieht das anders aus: Ener­gie­preis­in­fla­ti­on, Angst vor Krieg, die US-Kriegs­dro­hun­gen gegen den NATO-Ver­bün­de­ten, Ver­un­si­che­rung. Sicher­lich war die Rede von der lan­gen Peri­ode des Frie­dens in Euro­pa immer Unsinn. Die Euro­pä­er führ­ten, ange­fan­gen von der völ­ker­rechts­wid­ri­gen Bom­bar­die­rung Jugo­sla­wi­ens im Jahr 1999, vie­le Krie­ge, die als Ter­ro­ris­mus auf Euro­pa zurück­schlu­gen: Euro­päi­sche NATO-Staa­ten waren Teil der Koali­ti­on der Wil­li­gen im Irak, führ­ten Krieg in Afgha­ni­stan, ent­sand­ten Trup­pen und Waf­fen in zahl­rei­che Län­der der Welt, von Syri­en bis Mali. Den­noch schien es gera­de nach der glo­ba­len Finanz­kri­se, die die Hege­mo­nie­kri­se des Neo­li­be­ra­lis­mus ver­stärk­te und zunächst star­ken lin­ken und dann vor allem rech­te popu­lis­ti­sche Kräf­ten Auf­schwung ver­lieh, eine Situa­ti­on zu sein, dass man sich auf die inne­ren Wider­sprü­che der Gesell­schaft kon­zen­trier­te, die sich als Explo­si­on der Miet­prei­se in den gro­ßen und Mit­tel­städ­ten, pre­kä­re Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se, Alters­ar­mut usw. aus­präg­ten. Es war also eine Wen­dung nach innen. Sie galt für die Lin­ke im Wes­ten ins­ge­samt.

Der Beginn des Ukrai­ne­kriegs 2022 war eine Zäsur. Er hat, auch durch sei­ne Fol­ge­wir­kun­gen, Kräf­te frei­ge­setzt, wei­ter zurück­rei­chen­den Ten­den­zen und gesell­schaft­li­chen Akteu­ren Auf­trieb ver­lie­hen, die die kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten im Wes­ten radi­kal ver­än­dern – und zwar zum Nega­ti­ven. Wenn wir über Krieg reden, dann gibt es natür­lich sehr vie­le Krie­ge auch mit deut­scher, mit west­li­cher Betei­li­gung, ange­fan­gen mit dem geno­zi­dal geführ­ten Krieg der rechts­extre­men israe­li­schen Regie­rung in Gaza. Die Unter­stüt­zung die­ses Krie­ges durch den Wes­ten hat vie­les in Gang gesetzt, vor allem die jun­ge Gene­ra­ti­on von der west­li­chen Außen­po­li­tik ent­frem­det. Für die inne­ren Ver­hält­nis­se in Deutsch­land wirkt der Ukrai­ne-Krieg nach­hal­ti­ger.

Der nun ins fünf­te Jahr gehen­de Krieg ist ein völ­ker­rechts­wid­ri­ger Angriffs­krieg. Der Ukrai­ne­krieg ist jedoch zugleich aus einem Bür­ger­krieg ent­stan­den und behält sei­nen Cha­rak­ter bis heu­te bei. Ein Sechs­tel der Kriegs­ge­fan­ge­nen der ukrai­ni­schen Regie­rung sind tat­säch­lich ukrai­ni­sche Staats­bür­ger. Außer­dem – das offen­bart auch die Dop­pel­mo­ral in der west­li­chen Außen­po­li­tik – war er von Anfang an auch ein geo­po­li­tisch moti­vier­ter Stell­ver­tre­ter­krieg mit west­li­cher Betei­li­gung, der mit bis in die 1990er zurück­rei­chen­den Ambi­tio­nen der USA, die Ukrai­ne in die NATO auf­zu­neh­men, zurück­geht und auch mit den EU-Ost­erwei­te­rungs­in­ter­es­sen ins­be­son­de­re des „wie­der­ver­ei­nig­ten“ Deutsch­lands zu tun hat.
Aber dass es sich von rus­si­scher Sei­te um einen völ­ker­rechts­wid­ri­gen Krieg han­delt, steht außer­fra­ge. Die UNO hat nach und als Leh­re aus dem Zwei­ten Welt­krieg den Krieg als „Fort­set­zung der Poli­tik mit ande­ren Mit­teln“ stark geäch­tet. Legi­tim ist laut UNO-Char­ta-Arti­kel 51 nur der prä­ven­ti­ven Selbst­ver­tei­di­gungs­krieg, der auf einen unmit­tel­bar bevor­ste­hen­den Angriffs­krieg reagiert. Dar­auf hat sich auch Russ­land beru­fen. Letz­ten Endes sind aber die Kriegs­recht­fer­ti­gun­gen sei­tens der rus­si­schen Regie­rung unhalt­bar. Sie bedie­nen sich ledig­lich aus dem ideo­lo­gi­schen Arse­nal, mit dem der Wes­ten seit dem Koso­vo­krieg 1999 sei­ne Krie­ge gerecht­fer­tigt hat: Ers­tens „Schutz­ver­ant­wor­tung“ für die rus­sisch­spra­chi­ge (Minderheiten-)Bevölkerung im Don­bass gegen die von der Selen­skyj-Regie­rung im Vor­jahr in die Wege gelei­te­te mili­tä­ri­sche Inva­si­on. Dies war letzt­lich ein Echo der Recht­fer­ti­gun­gen des Koso­vo­kriegs, als der grü­ne deut­sche Außen­mi­nis­ter Josef Fischer sag­te, er habe zwar gelernt: „nie wie­der Krieg“, aber auch „nie wie­der Ausch­witz“, wes­halb Deutsch­land jetzt Krieg füh­ren müs­se. Zwei­tens, argu­men­tier­te die rus­si­sche Regie­rung, sie müs­se die Ukrai­ne, die Russ­land durch ihre NATO-Auf­rüs­tung exis­ten­zi­ell bedro­he, ent­mi­li­ta­ri­sie­ren. Das war im Grun­de die Argu­men­ta­ti­on ein Echo der nie gefun­de­nen Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen des Irak, die die USA als Vor­wand nutz­ten, um 2003 den Irak völ­ker­rechts­wid­rig zu über­fal­len. – mit dem bekann­ten Ergeb­nis: 920.000 Direkt­to­te und 3,6 bis 3,8 Mil­lio­nen indi­rek­te Tote, Desta­bi­li­sie­rung der Regi­on, die den Auf­stieg des „Isla­mi­schen Staa­tes“ und Krieg in Syri­en erst ermög­lich­te, was ab August 2015 dann die Flucht­be­we­gung aus Syri­en auch nach Euro­pa ein­lei­te­te, was dann hier den rasan­ten Auf­stieg der AfD und ande­rer rechts­extre­mer Kräf­te vor­an­trieb. Man sieht: Es bestand also schon hier ein enger Zusam­men­hang zwi­schen exter­nen Kri­sen und inne­ren Ver­hält­nis­sen.

Kurz, wir haben es also mit einer offen­kun­di­gen Dop­pel­mo­ral zu tun, die uns auf das Feld der Geo­po­li­tik und öko­no­mi­schen wie poli­ti­schen Inter­es­sen ver­weist. Es geht eben offen­sicht­lich nicht um Moral, son­dern um hand­fes­te Inter­es­sen. Und es wäre schon viel erreicht, wenn es gelän­ge, über die his­to­ri­schen geo­po­li­ti­schen Inter­es­sen der USA und der euro­päi­schen NATO-Staa­ten im Osten Euro­pas, an der Ukrai­ne zu spre­chen und nicht so zu tun, als sei­en die euro­päi­schen NATO-Staa­ten neu­tra­le Beob­ach­ter und ein­fa­che Werk­zeu­ge für hohe Wer­te anstatt Aus­druck von spe­zi­fi­schen Klas­sen­in­ter­es­sen und Macht­grup­pen mit Macht­er­wei­te­rungs­in­ter­es­sen.
Was mit dem Schlag­wort „Soli­da­ri­tät der Ukrai­ne“ gemeint war, sieht man zudem heu­te: Fak­tisch war die­se Soli­da­ri­tät immer nur die Soli­da­ri­tät mit dem ukrai­ni­schen Staat. Jetzt wird der Krieg auf dem Rücken der ukrai­ni­schen Bevöl­ke­rung ver­län­gert, ster­ben Zehn­tau­sen­de, ja Hun­dert­tau­sen­de einen sinn­lo­sen Tod für ein paar Qua­drat­ki­lo­me­ter zer­stör­ten Lan­des.
Die EU befin­det sich in der Wirt­schafts­kri­se und finan­ziert, den For­de­run­gen von Donald Trump und der NATO fol­gend, ein gigan­ti­sches Rüs­tungs­pro­gramm, das die Staats­haus­hal­te in der EU extrem belas­tet. Kurz, der Euro­päi­schen Uni­on droht eine neue hef­ti­ge Ban­ken- und Finanz­kri­se, die die hohe Wahr­schein­lich­keit eines (wei­te­ren) Aus­ein­an­der­bre­chens der EU deut­lich erhöht. Hin­zu kommt die Ebe­ne der gesell­schaft­li­chen Abfe­de­rung der Kos­ten und der inne­ren Sta­bi­li­tät: Da die Schul­den für die Auf­rüs­tung nicht nur mit­tel­fris­tig die Zah­lungs­fä­hig­keit der euro­päi­schen Staa­ten sei­tens der inter­na­tio­na­len Finanz­märk­te, wo Staats­an­lei­hen gekauft wer­den, infra­ge stel­len, son­dern schon die Zins­zah­lun­gen auf die Schul­den aus lau­fen­den Haus­hal­ten zu bezah­len sind (was die Staa­ten auch abhän­gi­ger von der Hoch­fi­nanz macht und die Abschöp­fung der gro­ßen Mil­li­ar­därs­ver­mö­gen ten­den­zi­ell unmög­lich macht), zieht die Auf­rüs­tung erheb­li­chen Sozi­al­ab­bau nach sich. Die­ser aber desta­bi­li­siert die euro­päi­schen Staa­ten, in denen die Unzu­frie­den­heit mit den Regie­run­gen und die popu­lis­ti­schen Stim­mun­gen rie­sig sind, wei­ter. Der Ukrai­ne­krieg hat also das Poten­zi­al zum Sarg­na­gel der Euro­päi­schen Inte­gra­ti­on und Groß­macht­träu­me zu wer­den.

Für Deutsch­land und Euro­pa hat die Auf­rüs­tung erheb­li­che Kon­se­quen­zen. Dies gilt in ers­ter Linie für die Auf­rüs­tung. Die deut­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie woll­te unbe­dingt einen Wider­spruch zwi­schen Kano­nen und But­ter ver­mei­den, also Sor­ge tra­gen, dass die Auf­rüs­tung nicht zu Sozi­al­kür­zun­gen führt. Dafür locker­te man die Schul­den­brem­se ein­sei­tig für die Auf­rüs­tung. Alles ande­re ist damit nicht sys­tem­re­le­vant: das Kli­ma nicht, die Fla­schen­samm­ler nicht, kaput­te Schu­len nicht. Fak­tisch aber ist auch die­se Schul­den­fi­nan­zie­rung der Auf­rüs­tung auf Sand gebaut oder eine Milch­mäd­chen­rech­nung, weil die Schul­den­fi­nan­zie­rung natür­lich bedeu­tet, dass die Zin­sen, die man auf die Schul­den zurück­zah­len muss, wie gesagt, aus dem lau­fen­den Haus­halt zu bezah­len sind. Wir erle­ben heu­te schon mas­si­ven Sozi­al­ab­bau: den Ver­such, das Ren­ten­ni­veau noch­mal abzu­sen­ken, das ja von Rot-Grün schon von 53 auf 48 Pro­zent abge­senkt wor­den ist. Es gibt die Dis­kus­si­on über ein erhöh­tes Ren­ten­ein­tritts­al­ter, es gibt die Auf­kün­di­gung der Fünf-Tage-Woche, es gibt Anschlä­ge auf die Tarif­ver­hand­lun­gen im öffent­li­chen Dienst, wo es heißt, dass ein guter Tarif­ab­schluss für Kita-Erzie­he­rin­nen oder Müll­ab­fuhr bedeu­ten wür­de, dass man damit die Kriegs­tüch­tig­keit gefähr­det. Kurz: Es ist eine Situa­ti­on ein­ge­tre­ten, in denen sich der Klas­sen­ge­gen­satz und die Ver­tei­lungs­kämp­fe mas­siv zuspit­zen und mas­siv zuspit­zen wer­den. Hin­zu kommt, dass die Vor­stel­lung, die man teil­wei­se auch in der IG-Metall hat, man kön­ne, wenn man jetzt kei­ne Autos mehr ver­kau­fen kann, weil sich das deut­sche Export­mo­dell in einer Exis­tenz­kri­se befin­det, wenigs­tens durch Kriegs­wirt­schaft Wachs­tum erzeu­gen und Beschäf­ti­gung sichern. Die Scholz-Regie­rung von SPD, Grü­nen und FDP hat schließ­lich mit den CO2-Steu­ern die Ärms­ten der Armen, die am wenigs­ten für den Kli­ma­wan­del kön­nen, gezwun­gen, den höchs­ten Preis dafür zu bezah­len. Gleich­zei­tig ver­hin­dert man, dass sie an güns­ti­ge Solar­an­la­gen, güns­ti­ge E‑Autos aus Chi­na kom­men. Das ist also auch das Ver­mächt­nis der Grü­nen; es war kein Wun­der, dass von der Ampel­re­gie­rung am Ende vor allem die unte­ren Ein­kom­mens­klas­sen weg­ge­lau­fen sind, weil, wenn man sich ent­schei­den muss zwi­schen sei­nem eige­nen Lebens­stan­dard und der unsi­che­ren Ret­tung des Kli­mas, dann gibt es eben eine Ten­denz, dass das Hemd einem näher ist als die Hose. Aber was bringt der Rüs­tungs­keyne­sia­nis­mus? Wenn man in Osna­brück bei­spiels­wei­se ein VW-Werk umwid­met zu einem Rhein­me­tall­werk, dann hat das für den VW-Arbei­ter den Effekt, dass er wenigs­tens als Mili­tär­fahr­zeug­her­stel­ler wei­ter­ar­bei­ten kann. Auch gibt es durch jede staat­li­che Aus­ga­be einen Kon­junk­tur­ef­fekt: Aus­ga­ben für Rüs­tung kur­beln auch die Stahl­pro­duk­ti­on an, sofern im Inland gekauft wird; Aus­ga­ben für Gesund­heit kur­beln die Chemie‑, die Phar­ma­bran­che an.

Gesamt­wirt­schaft­lich aller­dings ist Rüs­tungs­keyne­sia­nis­mus nicht eine Brem­se, kein Gegen­mit­tel zur Deindus­tria­li­sie­rung, son­dern wirkt beschleu­ni­gend. Die Abwan­de­rung von vor allem ener­gie­in­ten­si­vem Kapi­tal – Pharma‑, Che­mie- Auto- und Maschi­nen­bau­in­dus­trie in die USA und auch nach Chi­na – wird sich beschleu­ni­gen. His­to­risch gese­hen ist es so: die­je­ni­gen Staa­ten, die am meis­ten Geld für Rüs­tung aus­ga­ben und sich in der Indus­trie­po­li­tik, bei den Aus­ga­ben für For­schung und Ent­wick­lung usw. auf Rüs­tung spe­zia­li­sier­ten, taten dies zu Las­ten der zivi­len Pro­duk­ti­on.
Das ver­bin­det sich jetzt mit der Rechts­ent­wick­lung. Die Wahr­schein­lich­keit, dass die Regie­rung über 2027 hin­aus hält, wenn dann die mas­sivs­ten Sozi­al­kür­zun­gen kom­men müs­sen, ist gering. Die Wahr­schein­lich­keit, dass die auto­ri­tä­ren Rech­ten dann mit der Uni­on regie­ren wer­den, ist hoch.
Die Rech­te gibt sich anti­sys­te­misch. Sie ist aber zwei­fel­los eine Pseu­do­re­vol­te. Die Rech­te sagt, sie will Migra­ti­on stop­pen, för­dert aber gleich­zei­tig alle Bedin­gun­gen des Kli­ma­wan­dels und auch durch­aus Frei­han­dels­ab­kom­men, die mil­lio­nen­fach Über­schuss­be­völ­ke­rung und Flucht­be­we­gung ins Werk set­zen.

Der rechts­au­tori­tä­re Natio­na­lis­mus war nun lan­ge – gemes­sen an sei­ner Funk­ti­on für die kapi­ta­lis­ti­sche Klas­se – dys­funk­tio­nal, kam für die trans­na­tio­na­len Kon­zer­ne BMW, Bosch, Sie­mens, Daim­ler als Bünd­nis­part­ner nicht in Fra­ge, solan­ge er gegen den Euro und gegen die NATO war, weil der Euro eben das Sprung­brett für die­se export­ori­en­tier­ten Kon­zer­ne auf den Welt­markt gewe­sen ist und die US-getra­ge­ne NATO eben der mili­tä­ri­sche Macht­he­bel zur Auf­recht­erhal­tung von Han­dels­we­gen. Lan­ge war also die AfD dys­funk­tio­nal, im Gegen­satz auch zur NSDAP, die his­to­risch ja durch­aus die wesent­li­chen Inter­es­sen der damals domi­nan­ten Kapi­tal­frak­tio­nen ver­tre­ten hat, näm­lich: Ver­nich­tung der Oppo­si­ti­on im Inne­ren, Auf­rüs­tung und dann Krieg nach außen.

Die Dys­funk­tio­na­li­tät wan­delt sich indes heu­te in eine neue Funk­tio­na­li­tät für das kapi­ta­lis­ti­sche Sys­tem in sei­ner tie­fen Sys­tem­kri­se. Wir haben heu­te eine Situa­ti­on, in der die AfD sich radi­kal estab­lish­men­ti­siert. Die AfD geht einen Weg, den schon vor der Euro­pa­wahl 2024 Melo­ni in Ita­li­en und Le Pen bzw. der Ras­sem­blem­ent Natio­nal in Frank­reich gegan­gen sind, näm­lich als Hin­wen­dung zu einer pro-west­li­chen, pro-ame­ri­ka­ni­schen, pro-israe­li­schen, pro-Auf­rüs­tungs- und pro-NATO-Posi­ti­on. Das öff­net zum einen Fens­ter und ein Vaku­um, weil die­se Posi­tio­nen in Ost­deutsch­land, wo die AfD stark ist, nicht mehr­heits­fä­hig sind und sich auch nega­tiv aus­wir­ken werden.Zum ande­ren aber kann die Rech­te der nicht mehr hege­mo­nia­len bür­ger­li­chen Klas­se zu einem zwei­ten Atem ver­hel­fen, als ihr letz­tes Auf­ge­bot die­nen und die Wut über die sozia­le Mise­re auf kul­tur­kämp­fe­ri­sche Bah­nen und gegen Migran­ten und ande­re Sün­den­bö­cke zu len­ken ver­su­chen.

Für die Lin­ke aber ergibt sich eine Situa­ti­on, in der sich die gro­ßen Fra­gen zusam­men­bal­len: Ein neu­er Kal­ter Krieg und die Auf­rüs­tung ver­schär­fen die sozia­le Fra­ge. Zugleich ist undenk­bar, dass in einem neu­en Kal­ten Krieg, der in die­ser Wei­se auch Res­sour­cen ver­schlingt, die Kli­ma­fra­ge zu lösen sein wird oder die damit ver­bun­de­ne Kata­stro­phe wenigs­tens ein­ge­dämmt wer­den kann. Da die Zei­ten­wen­de in ihrer Innen­di­men­si­on im gan­zen Wes­ten auch auto­ri­tä­re­res Regie­ren, einen post­li­be­ra­len Kapi­ta­lis­mus her­vor­bringt, stellt sich auch die Demo­kra­tie­fra­ge neu. Kurz, es ent­steht eine Kon­ver­genz von sozia­ler, Friedens‑, Demo­kra­tie- und Kli­ma­fra­ge. Lin­ke, sozia­lis­ti­sche Poli­tik soll­te, auch um die eige­ne Erschöp­fung im Kampf mit Hun­der­ten Brand­her­den zu über­win­den, die ein­zel­nen Brand­her­de nut­zen, um die­se Kon­ver­genz als Sys­tem­fra­ge sicht­bar zu machen. Jeder klei­ne Brand für sich allein betrach­tet, führt den lin­ken Akti­vis­ten, die Sozia­lis­tin in den Burn­out; jeder klei­ne Brand, der auf die Ebe­ne sei­ner sys­te­mi­schen Ursa­chen geführt und ver­knüpft wird, hat das Poten­zi­al zum Flä­chen­brand für den Kapi­ta­lis­mus

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