Vor­schlag The Lan­cet: Gesund­heits­we­sen kriegs­tüch­tig auf EU-Ebe­ne

Vor­schlag The Lan­cet: Gesund­heits­we­sen kriegs­tüch­tig auf EU-Ebe­ne

Pres­se­mit­tei­lung des vdää*eng­li­sche Fas­sung

04.03.2026 – Die bri­ti­sche Medi­zin-Zeit­schrift „The Lan­cet“ gibt es seit mehr als 200 Jah­ren. Sie gilt als seriö­ses Publi­ka­ti­ons­or­gan und behaup­tet von sich, dass man hier “the best sci­ence for bet­ter lives” fin­de.

In der Aus­ga­be vom 30. Janu­ar die­sen Jah­res fin­den wir aber eine angeb­li­che Begrün­dung für die sofor­ti­ge Schaf­fung einer “Euro­päi­sche Ver­tei­di­gungs­ge­sund­heits­agen­tur“ (Euro­pean Defence Health Agen­cy – EDHA), geschrie­ben von Ste­fa­no Olgia­ti, Nima Heida­ri und Ales­san­dro Dano­vi von den Uni­ver­si­tä­ten in Fer­ra­ra und Ber­ga­mo in Ita­li­en und Târ­gu Mureș in Rumä­ni­en.

Die­se soll, so die Autor*innen, nach dem Vor­bild der US-Ver­tei­di­gungs­be­hör­de gestal­tet sein. Die US Defen­se Health Agen­cy ist ein inte­grier­tes Sys­tem, das medi­zi­ni­sche Diens­te für US-Sol­da­ten, Rent­ner und deren Fami­li­en anbie­tet und Mili­tär­kran­ken­häu­ser, Kli­ni­ken etc. betreibt und dar­auf abzielt, eine medi­zi­nisch ein­satz­be­rei­te Streit­kraft sicher­zu­stel­len.

Die Mis­si­on und der Schwer­punkt der EDHA soll dar­in bestehen, Gesund­heits­ver­sor­gung, medi­zi­ni­sche Aus­bil­dung, öffent­li­che Gesund­heit, Part­ner­schaf­ten mit dem Pri­vat­sek­tor sowie Spit­zen­for­schung und ‑ent­wick­lung, außer­dem die direk­te Ver­sor­gung von Mili­tär­kran­ken­häu­sern und ‑kli­ni­ken, sowie die Bereit­stel­lung der Ver­sor­gung im Pri­vat­sek­tor zu koor­di­nie­ren. Um die­se Zie­le zu errei­chen, sei eine Inte­gra­ti­on zwi­schen den natio­na­len Gesund­heits­diens­ten und der Ver­tei­di­gungs­ein­rich­tung der Mit­glied­staa­ten erfor­der­lich.

Die „Begrün­dung“ für die­sen Vor­schlag sehen die Autor*innen schlicht­weg dar­in, dass die EU auf­grund der War­nun­gen von Mark Rut­te und auf Druck der USA die Ver­tei­di­gungs­be­mü­hun­gen ihrer 27 Mit­glied­staa­ten zuneh­mend koor­di­nie­re, indem sie den ReArm Euro­pe Plan/Readiness 2030, die Euro­päi­sche Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie­stra­te­gie und das Euro­päi­sche Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie­pro­gramms ver­ab­schie­det hat.

Anstatt als Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen erst ein­mal Skep­sis wal­ten zu las­sen und die Begrün­dun­gen für all die­se Plä­ne streng und genau zu über­prü­fen – und begrün­det zu kri­ti­sie­ren, schei­nen die Autor*innen die­ses Papiers ein­fach auf den Zug der Mili­ta­ri­sie­rung auf­sprin­gen zu wol­len, um ganz Vor­ne dabei sein zu kön­nen.

“Wir erle­ben in ein­zel­nen Län­dern der EU – allen vor­an in Deutsch­land – schon eine mas­si­ve Mili­ta­ri­sie­rung der Gesell­schaft und des Gesund­heits­we­sens, die größ­ten­teils unkri­ti­siert durch­ge­setzt wer­den kann“, so Juli­us Pop­pel, Co-Vor­sit­zen­der des vdää*.

„Nun wer­den wir mit dem nächs­ten Level die­ser Poli­tik kon­fron­tiert, mit der For­de­rung einer EU-wei­ten mili­tä­ri­schen Koor­di­na­ti­on des Gesund­heits­we­sens. Statt die 200-jäh­ri­ge Erfah­rung und wis­sen­schaft­li­che Kom­pe­tenz dafür zu nut­zen, die­se Bestre­bun­gen als offen­sicht­lich auch öko­no­misch getrig­ger­te zu ent­lar­ven und sei­ne Stim­me für Diplo­ma­tie, Abrüs­tung und Frie­den zu erhe­ben, macht sich der Lan­cet so zum Büt­tel der Kriegstreiber*innen“, so Pop­pel wei­ter.

Wir dage­gen müs­sen unse­re Anti­kriegs-Akti­vi­tä­ten ver­stär­ken und uns mit unse­ren Kollege*innen in Euro­pa alles dafür tun, eine wei­te­re Eska­la­ti­on zu ver­hin­dern und die jet­zi­gen krieg zu stop­pen.

Dr. Nad­ja Rako­witz, Pres­se­spre­che­rin des vdää*

×