Stellungnahme von vdää* und VdPP zur Konfrontation der Vertreter*innen der Apotheker und Ärzte zum geplanten Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz ApoVWG
Maintal 05.01.2026 – Mit der geplanten Reform im Apothekenwesen plant die Bundesregierung, den Apotheken „verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen für inhabergeführte Apotheken zu schaffen, um ein flächendeckendes Apothekennetz für eine wohnortnahe Arzneimittelversorgung der Bevölkerung zu erhalten“. Außerdem soll „die Eigenverantwortung von freiberuflichen Apothekeninhaberinnen und ‑inhabern gestärkt“ werden.
Unter anderem ist im Gesetzentwurf, der seit 17. Dezember 2025 vorliegt, vorgesehen, dass Apotheken unter bestimmten Voraussetzungen erstmals verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne neues ärztliches Rezept abgeben können, dass zusätzliche Impfungen durch Apotheken ermöglicht und bestimmte Laborleistungen als neue Leistungen der Apotheken angeboten werden können.
In verschiedenen Stellungnahmen einer Reihe von Vertreter*innen der Ärzteschaft zeigt sich eine breite ärztliche Ablehnungsfront gegen das geplante Gesetz. Gleichzeitig wehrt sich die Apothekerschaft gegen Kritik von ärztlicher Seite und kann sich eine weitere Übernahme von bislang Ärzt*innen vorbehaltener Aufgaben vorstellen.
Unternehmerinteressen der Heilberufe verhindern patientenorientierte Zusammenarbeit
Die vorliegenden Stellungnahmen aus der Ärzte- und Apothekerschaft zeigen aus Sicht des vdää* und des VdPP in keinster Weise Lösungen auf, wie eine dringend notwendige und von fast allen Gesundheitssachverständigen seit vielen Jahren geforderte Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit bei der Arzneimittelversorgung der Bevölkerung im Sinne verbesserter Arzneimitteltherapiesicherheit vorangebracht werden kann. Sie zeigen vielmehr, wie die seit Jahrzehnten auf der Grundlage von überkommenen Hierarchien, Standesdünkel und wirtschaftlichen Interessen fußenden Grabenkämpfe zwischen den Heilberufen weiterverfolgt und Gräben sogar vertieft werden.
Auch der Gesetzentwurf der Bundesregierung mit dem Ziel der Stärkung des bestehenden Apothekenwesens führt nicht aus dieser Konfrontation heraus, ändert er doch nichts an der unternehmerischen Ausrichtung der ambulanten Versorgung. Der Gesetzentwurf schafft sogar neue finanzielle Anreize für Apotheker*innen, im angrenzenden medizinischen Versorgungsbereich neue Einnahmen zu generieren, was geradezu bei freiberuflich und unternehmerisch tätigen Ärzt*innen zu massiven Widerständen führen muss.
Heilberufliche Motivation an Zielen einer gemeinwohlorientierten Primärversorgung ausrichten!
Dringend notwendig sind aber Lösungen, die die Arzneimittelversorgung verbessern, angesichts einer Vielzahl vermeidbarer Todesfälle und Krankenhauseinweisungen durch unzureichende Arzneimitteltherapiesicherheit, nur rudimentär vorhandener interprofessioneller Zusammenarbeit und bestehendem Personalmangel.
vdää*, VdPP, zum Teil auch mit dem Pflegeverband DBfK, haben in der jüngeren Vergangenheit Vorschläge und Diskussionsbeiträge zu einem Primärversorgungsystem mit Weiterentwicklung des Apothekenwesens veröffentlicht. Dabei geht es nicht um ein von der Bundesregierung favorisiertes Primärarztsystem, sondern um den Aufbau von Primärversorgungszentren, in denen interprofessionelle Zusammenarbeit selbstverständlich ist, in denen keine vorwiegend am Profit orientierten Entscheidungen die Versorgung beeinflussen, sondern gemeinnützige Versorgungsstrukturen gefördert werden, und in denen das Patient*innenwohl tatsächlich Vorrang hat. Denn in solchen Strukturen können die jeweiligen heilberuflichen Kompetenzen zur Geltung kommen und Interprofessionalität störungsfreier ausgebaut werden, wie dies bspw. in Krankenhäusern zu sehen ist.
Apothekenwesen und medizinische Versorgung müssen in Sinne einer solchen Primärversorgung weiterentwickelt werden, um die heutigen und sich zukünftig aufgrund des Personalmangels wahrscheinlich verschärfenden Versorgungsprobleme auf mehrere Schultern verteilen zu können. Weder ein mit fragwürdigen neuen Aufgabenzuweisungen verschlimmbessertes Apothekenwesen, noch das sture Festhalten an überkommenen vorrangig profitorientierten Versorgungsstrukturen und an ärztlichem Standesdünkel helfen hier weiter.
Weitere Informationen
- vdää*, DBfK. VdPP (2024): Pflegefachpersonen als Schlüssel für nachhaltige Gesundheitsreformen: https://www.vdaeae.de/2024/pressemitteilung-von-dbfk-vdaeae-und-vdpp-vom-29–10-2024-zur-rolle-der-pflege/
- VdPP 2024: Positionspapier des VdPP zur Weiterentwicklung der ortsnahen Arzneimittelversorgung über Vor-Ort Apotheken und eine verbesserte Einbindung pharmazeutischer Kompetenzen in eine zukünftige interdisziplinär ausgerichtete und patient*innennorientierte Primärversorgung: https://www.vdpp.de/app/download/5817400557/24–06_VdPP-Positionspapier+Apothekenreform+und+Prim%C3%A4rversorgung_2024.pdf







