vdää* zu den Vorschlägen, Pflegebudget und PPR 2.0 abzuschaffen
02.07.2026 – Vor kurzem wurde ein einseitiges Papier – anscheinend – aus dem Bundesgesundheitsministerium durchgestochen, das es in sich hat. Zum einen soll das so genannte Pflegebudget ins DRG-System zurückintegriert werden; zum anderen will das BMG die künftig verpflichtende Anwendung der Pflegepersonalregelung PPR 2.0 im Pflegedienst abschaffen und damit auch die Entwicklung eines Personalbedarfsinstruments für Klinikärzt*innen verhindern. Sogar die derzeit gültigen Pflegepersonaluntergrenzen sollen als Mindeststandard abgeschafft werden.
Und das, obwohl allen klar sein muss, wie essentiell Pflege für die gute Versorgung der Patient*innen im Krankenhaus ist1 und wie untragbar die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus bereits sind. Und alles das, obwohl es einen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang gibt von Personalquoten in der Pflege und Mortalität der Patient*innen2.
»Seit Einführung des DRG-Systems 2004 waren Tausende von Stellen in der Pflege gestrichen worden, um die Kosten zu senken. Die Herausnahme der Pflege am Bett und deren Bezahlung nach Selbstkostendeckungsprinzip 2019 unter Jens Spahn war der erste gesundheitspolitische Schritt in die richtige Richtung nach langer Zeit. Es ermöglichte den Krankenhäusern, mehr Personal einzustellen und die Pflege zu verbessern. Gut investiertes Geld!« so Dr. Peter Hoffmann, Mitglied des Vorstands des vdää*. »Kombiniert mit der Einführung der PPR 2.0 hätte das dazu führen können, dass es endlich eine bedarfsorientierte Anzahl an Pflegekräften auf Station gibt«, ergänzt Felix Ahls, Co-Vorsitzender des vdää*. »Und es hätte den Beruf wieder attraktiver gemacht, das hat uns die Bremer Pflegestudie3 gezeigt«.
Selbstverständlich hat diese Maßnahme die Krankenhäuser mehr Geld für Personal ausgeben lassen als vorher. Das hat der Versorgung der Patient*innen gut getan, aber war noch immer nicht ausreichend und weiterhin belastend, sodass auch aktuell Pflegekräfte ihren Beruf aufgeben. In der aktuellen Debatte um die Abschaffung dieser beiden Regelungen scheint das aber keine Rolle zu spielen. Es wird nur das Einsparpotential gesehen.
»Das ist der härteste Angriff auf die Beschäftigten und auf die Patient*innen seit langem. Das Pflegepersonal erneut als Einsparpotential anzusehen anstatt als Qualitätsfaktor und die Versorgung der Patient*innnen zu gefährden ist die Konkurrenzlogik der DRG. Lieber billig und profitabel als bedarfsgerecht und gut. Wir werden als Ärzt*innen unsere Kolleg*innen unterstützen, diese Maßnahmen zu bekämpfen«, so Peter Hoffmann.
»Alle Verbesserungen der letzten Jahre, so klein sie auch waren, waren Reaktionen auf starke gewerkschaftliche Organisierung, Streiks und Proteste, vor allem der Pflegekräfte u.a. mit dem Erreichen der Tarifverträge Entlastung in mehreren Bundesländern«, fügt Felix Ahls hinzu. »Wir rufen auch unsere ärztlichen Kolleg*innen auf, gemeinsam mit den anderen Gesundheitsbeschäftigten und der Bevölkerung die aktuellen Proteste zu unterstützen.«
Dr. Nadja Rakowitz, Pressesprecherin des vdää*
- Siehe Interview mit Benjamin Wachtler: Soziale Ungleichheit schreibt sich in den Körper ein“, taz 27.06.2026, https://taz.de/Arzt-ueber-Sparen-bei-der-Gesundheit/!6187307/ ↩︎
- Patientensicherheit: Stationäre Mortalität und Personalschlüssel korrelieren, DÄB 26/2014, https://www.aerzteblatt.de/search/result/0629ea4b-5b65-4b92-a001-07c82de42b82?q=aiken ↩︎
- Bundesweite Studie „Ich pflege wieder, wenn.….“, hg. von der Arbeitnehmerkammer Bremen 2021, https://www.arbeitnehmerkammer.de/politik/befragungen/ich-pflege-wieder-wenn/#c3694 ↩︎






