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SUMMARY:Rechnet sich das? Reformen\, Finanzierung und die Zukunft des Gesundheitssystems
DESCRIPTION:Ein Gespräch mit \n\nProf. Andre­as Umgel­ter\nProf. Boris Augurz­ky\n\nam: 25.06.2026\, 18 Uhr\, im Salon am Moritz­platz\, Ber­lin \nWir wol­len uns mit­tels drei Fra­gen den zen­tra­len Ver­än­de­run­gen im Gesund­heits­we­sen nähern. \n\n\n\nWer finan­ziert unse­re Gesund­heit?\nWas wird bezahlt?\nWie soll sich die Land­schaft der Gesund­heits­ver­sor­gung ver­än­dern?\n\nIn den letz­ten Jahr­zehn­ten wur­de das Den­ken über Gesund­heit zuneh­mend öko­no­mi­siert. Bis in die 70er Jah­re stand der Aus­bau der Ver­sor­gung im Mit­tel­punkt\, 1972 wur­de das Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz mit einem simp­len Satz ein­ge­führt: Die not­wen­di­gen Kos­ten eines Kran­ken­hau­ses wer­den erstat­tet. So huma­nis­tisch die­ses Modell auch war\, es kam mit der Kon­se­quenz\, dass die Kos­ten der GVK des­sen Ein­nah­men über­tra­fen. Reak­ti­on dar­auf waren Kos­ten­dämp­fungs­ge­set­ze. Die Ein­füh­rung der frei­en Kran­ken­kas­sen­wahl ver­stärk­te Wett­be­werbs­ten­den­zen. Es wur­de zuneh­mend bud­ge­tiert\, pri­va­ti­siert und Kran­ken­häu­ser immer betriebs­wirt­schaft­li­cher gesteu­ert. In den 1990ern wur­den Tages­sät­ze ein­ge­führt\, für jeden Tag\, den ein*e Patient*in im Kran­ken­haus lag\, bekam das Haus eine fixe Sum­me Geld. \nDer gro­ße Umschwung kam mit der Ein­füh­rung der Fall­pau­scha­len Anfang der 2000er. Das Ver­gü­tungs­sys­tem wur­de auf den Kopf gestellt. Kran­ken­häu­ser bekom­men seit­dem einen fixen Betrag für eine spe­zi­fi­sche Behand­lung\, unab­hän­gig davon\, wie lan­ge die Patient*innen blei­ben. Der bis­he­ri­ge Gip­fel der Öko­no­mi­sie­rung des Gesund­heits­we­sens mit dem Vor­satz der leis­tungs­ori­en­tier­ten Ver­gü­tung. Doch die Zie­le Effi­zi­enz und finan­zi­el­le Sta­bi­li­tät wur­den von Mas­sen­ent­las­sun­gen\, Fehl­an­rei­zen und Über­las­tung beglei­tet. \nNun sind wir in der Gegen­wart und sozu­sa­gen in der Post-Lau­ter­bach Ära ange­langt. Die­ser hat 2024 eine Reform mit dem ein­präg­sa­men Namen Kran­ken­haus­ver­sor­gungs­ver­bes­se­rungs­ge­setz durch­ge­setzt\, kurz KHVVG. Dar­auf auf­bau­end wur­den seit­dem immer wei­te­re Refor­men hin­zu­ge­fügt\, Nach­bes­se­run­gen\, wenn man dar­an glau­ben möch­te. Die gro­ßen Zie­le sei­en Öko­no­mi­sie­rung abbau­en\, Behand­lungs­qua­li­tät und Spe­zia­li­sie­rung aus­bau­en. \nDoch nun zur ers­ten Fra­ge: Wer finan­ziert unse­re Gesund­heit? Für das KHVVG wur­de der Trans­for­ma­ti­ons­fond erschaf­fen\, 50 Mil­li­ar­den Euro über 10 Jah­re\, zur Hälf­te von den Län­dern und zur Hälf­te vom Bund finan­ziert. Der Bund will sei­nen Teil haupt­säch­lich aus dem Gesund­heits­fond der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen neh­men. \nZwei­tens: Was wird bezahlt? Hier geht es jetzt um den Kern­in­halt Lau­ter­bachs Reform: Nicht mehr aus­schließ­lich Fall­pau­scha­le son­dern Vor­hal­te­fi­nan­zie­rung. Auf Deutsch also: Kran­ken­häu­ser sol­len nicht mehr nur nach durch­ge­führ­ter Behand­lung bezahlt wer­den\, son­dern für das Vor­hal­ten von Kapa­zi­tä­ten und Qua­li­täts­kri­te­ri­en. Damit soll der Ein­fluss öko­no­mi­schen Den­kens auf die medi­zi­ni­sche Behand­lung und so auch Fehl­an­rei­ze mini­miert wer­den. Klingt wie die logisch rich­ti­ge Reak­ti­on auf die Schä­den der letz­ten Jah­re. Beim Sezie­ren der Reform sticht jedoch ins Auge\, dass sie eher auf der Grund­la­ge einer Umstruk­tu­rie­rung der finan­zi­el­len Anrei­ze beruht. Daher zu Fra­ge drei: \nWie soll sich die Land­schaft der Gesund­heits­ver­sor­gung ver­än­dern? Die Theo­rien sind viel­fäl­tig\, sie rei­chen von Kli­nik­schlie­ßun­gen im gro­ßen Zie­le bis hin zu einer Ver­staat­li­chung der pri­va­ten Gesund­heits­ver­sor­gung. Die aktu­el­len Refor­men wer­den Fol­gen­des mit sich brin­gen: Leis­tungs­grup­pen und Vor­hal­te­fi­nan­zie­rung sol­len Spe­zia­li­sie­rung und Qua­li­tät för­dern. Um sich für eine gewis­se Leis­tungs­grup­pe zu qua­li­fi­zie­ren\, muss ein Kran­ken­haus Anfor­de­run­gen wie Anzahl spe­zia­li­sier­ter Ärzt*innen\, Fall­zah­len\, tech­ni­sche Aus­stat­tung erfül­len. Die Fol­ge: Gro­ße Kran­ken­häu­ser wer­den häu­fig gestärkt\, klei­ne Kran­ken­häu­ser ver­lie­ren Leis­tungs­grup­pen und sol­len sich haupt­säch­lich auf Grund­ver­sor­gung spe­zia­li­sie­ren\, oder eben die Pfor­ten schlie­ßen. \nAnhand die­ser Fra­gen möch­ten wir mit Prof. Augurz­ky und Prof. Umgel­ter kon­struk­tiv dis­ku­tie­ren\, wel­che rea­len Fol­gen aus der Kran­ken­haus­re­form erwach­sen und was wir trotz­dem anders machen soll­ten.
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